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Ort der Begegnung |
Vielfältige Kunst-Aktivitäten in der Nordstadt: NOBILIS-Autor Jörg Worat besuchte die Ateliergemeinschaft Block 16. |
er Austausch und die Öffnung nach außen sind sehr wichtig“, sagt Wolfgang Jeske. Jane Wyrwa und Nigel Packham nicken bestätigend – das Trio aus der Ateliergemeinschaft Block 16 macht deutlich, dass man sich nicht als abgeschotteter Zweckverband versteht. Die acht Künstlerinnen und Künstler, die hier in der Nordstadt arbeiten, richten ihre Aktivitäten zwar ganz individuell aus. Doch in unterschiedlichen Besetzungen kommt es immer wieder zu Kooperationen, und Gäste sind hier gern gesehen. Seit 1996 gibt es die Reihe „KUNSTamSONNTAG“. Am letzten Sonntag des Monats läuft im Keller des Hauses von 18 bis 20 Uhr eine zweistündige Sonderausstellung. „Früher haben wir immer unsere eigenen Arbeiten dort gezeigt“, erklärt Nigel Packham. „Aber dann sind Künstler von außerhalb dazugekommen. Auch unbekannte, denen wir hier eine Ausstellungsmöglichkeit nach eigenen Vorstellungen geben wollen – Hilfe zur Selbsthilfe.“ Die Beschränkung auf zwei Stunden mag auf den ersten Blick sonderbar erscheinen, macht aber für jeden Sinn, der den üblichen Ausstellungsbetrieb kennt: „Die Leute kommen doch immer nur zur Vernissage“, bringt Packham es auf den Punkt. Künstler, die gern eine längere Ausstellungsdauer im Block 16 haben möchten, haben dazu durchaus die Möglichkeit, müssen sich dann allerdings selbst um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern. In dem charmant-ruppigen Kellergewölbe waren auch schon internationale Künstler vertreten. Alle Medien von Malerei über Plastik und Fotokunst bis zur Installation finden ihren Platz. Sogar Tanzaufführungen sind zuweilen zu sehen. „Obwohl“, räumt Jane Wyrwa lächelnd ein, „man bei unserer niedrigen Decke da unten mit Sprüngen schon sehr vorsichtig sein muss.“ Von gemalten halben Hähnchen bis zu Kohlblättern aus Gips Am 25. Mai bestreitet der zurzeit in Hannover lebende Franzose Jean-Robert Valentin „KUNSTamSONNTAG“ mit Installationen, bei denen Projektionen eine Rolle spielen dürften. Traditionell sind zu diesem Termin außerdem offene Ateliers der hier arbeitenden Künstler angesagt. Beim Rundgang zum Kennenlernen wird deutlich, wie breit gefächert die Aktivitäten im Block 16 sind. Norbert Fleischers dynamische Malerei etwa bindet mannigfaltige Motive vom halben Hähnchen über das Pferd bis zum Haus vom Nikolaus ein und erfährt gern Erweiterungen durch bizarre Sinnsprüche wie „Erst kommt der Schmerz, dann das Geld!“. Die Kunst von Ulla Nentwig ist kaum mit wenigen Worten zu beschreiben. Sie umfasst die Zeichnung von Körperfragmenten ebenso wie Lichtobjekte oder Eingriffe in den Außenraum, etwa das Vergolden von Gullydeckeln. Zwei Ecken weiter sieht’s ebenfalls abwechslungsreich aus. „Ich bin halt ein Sammler“, sagt Wolfgang Jeske, dessen Atelier eine erstaunliche Vielzahl an Materialien aufweist: Holzelemente zum Beispiel, Kohlblätter aus Gips, an der Wand krachbunte Malerei. Im Mittelpunkt von Jeskes Arbeit stehen zurzeit Spiralgebilde, die sich durch Wärmeeinwirkung zu drehen beginnen. Angelika Wolfs Pappobjekte haben einen hohen Wiedererkennungswert und zeigen, dass auch ein billiges Material große Ästhetik entwickeln kann. Die von der Künstlerin selbst angemischten Farben haben dabei eine wichtige Funktion: „Sie sollen die Form unterstreichen und nicht nur Oberfläche sein.“ Jens Hoff malt sorgsam ausgewogene Abstraktionen ebenso wie Gegenständliches in zum Teil irritierenden Kombinationen und Menschen mit prägnant indifferentem Gesichtsausdruck. Michael Gould aus Chicago, vor einem Jahr zur Ateliergemeinschaft gestoßen, hat seinen Arbeitsplatz mit allerlei Objekten eigenwillig gestaltet und verfolgt eine neue Strömung in seiner Malerei: Dominierten bislang landschaftliche Anmutungen, sind die Darstellungen nun freier und fetziger gehalten. Heimelig und kreativ Apropos fetzig: Ein Meister der Expressionen ist der unermüdlich produktive Nigel Packham, dessen neueste Gemälde kubistische Einflüsse aufweisen: „Ab Mai mache ich aber wieder etwas anderes“, ist sich der gebürtige Engländer jetzt schon sicher, der trotz all der Jahre in Hannover seinen Akzent immer noch sorgsam pflegt. Jane Wyrwa setzt sich momentan unter anderem mit Malerei nach am Computer verfremdeten Blumendarstellungen auseinander. Bei ihr hängen aber auch morbide anmutende Materialcollagen, die auf militärischen Kleidungsstücken beruhen. Der Gebäudekomplex war nämlich einst eine Sammel- und Verarbeitungsstelle für alte Klamotten. Ende 1988 hatten in dem damals völlig heruntergekommenen Bau zunächst drei Künstler ihr Atelier. Inzwischen macht der Block 16 einen ausgesprochen heimeligen Eindruck – Ergebnis kontinuierlicher Arbeit und sorgsamer Planung. Denn das Vorurteil, Künstler seien mit alltäglichen und bürokratischen Dingen hoffnungslos überfordert, trifft in diesem Fall nicht zu. 1998 schloss die Ateliergemeinschaft mit der Stadt Hannover einen Erbpachtvertrag, der sie für 35 Jahre in die Rolle des Eigentümers versetzt. Zu bereitgestellten Sanierungsmitteln kam eine Menge Eigenarbeit, und auch da zeigte man sich vorausschauend: „Uns ist eine Dose Farbe vom Dach gefallen, mitten auf ein Auto“, erinnert sich Jane Wyrwa. „Zwei Tage vorher hatten wir die Bauherrenhaftpflichtversicherung abgeschlossen . . .“ Heute ist die Ateliergemeinschaft Block 16 ein Ort der Begegnung und eine Schnittstelle zwischen hannoverscher und internationaler Kunst. Und wenn mal ein Event eher spärlich besucht ist, erinnert man sich hier an die alte Wahrheit, dass Qualität vor Quantität geht. „Bei einer Finissage kam mal ein einziger Besucher“, erzählt Nigel Packham. „Aber der blieb dann stundenlang und hat sich mit den Künstlern unterhalten. War super.“ |
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Quelle: Nobilis - Mai 05/2003 |
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